Lust über Jahre – geht das überhaupt?

Paarworkshop zu Sexualität, Lust und Begehren in Langzeitbeziehungen

Begehren nimmt mit der Zeit ab. Wenn wir uns wirklich lieben, klappt der Sex von selbst. Lust muss zuerst da sein, bevor man Sex hat. Männer wollen immer, Frauen wollen weniger. Nach den Kindern wird Sex weniger. Wer fremdgeht, dem fehlt etwas zu Hause.

Über das Thema Lust und Sex in Langzeitbeziehungen gibt es viele Mythen. Keiner davon ist aus der Luft gegriffen – so, wie wir Beziehungen leben, treffen sie tatsächlich nicht selten ein. Doch sind sie deshalb wahr? Oder werden sie erst zur Realität, weil wir sie – und damit ein bestimmtes Bild von Beziehung – als gegeben hinnehmen? Tausend Ratgeber und die Sextoy-Industrie versuchen, mit Tipps wie «So kurbelt ihr die Lust wieder an» unsere Beziehungen zu retten.» Doch statt Lust bringen sie oft noch mehr Druck.

Aus meiner Sicht müssen wir nicht gegen die Lustlosigkeit in Beziehung ankämpfen. Wir müssen uns nicht zu mehr Sex pushen. Stattdessen dürfen wir die Intimität verstärken. Denn sie ist in vielen Langzeitbeziehungen Alltagskonflikten und kleinen bis grossen Kriegen gewichen. Statt gegen die vermeintlichen Schattenseiten einer Langzeitbeziehung anzukämpfen, können wir ihre Ressourcen nutzen. Langzeitbeziehungen müssen nicht weniger Lust bedeuten. Hinterfragen wir die Mythen, entdecken wir vielleicht, dass gerade das vermeintlich Hinderliche sehr lustvoll sein kann.

Philosophie hinter dem Workshop

Wir denken oft, zu viel Nähe tötet die Lust. Ich erlebe in meiner Praxis meist das Gegenteil: Paare brauchen nicht einfach mehr Distanz, sondern wahre Intimität. Zwischen Arbeit, Alltag und vielleicht noch Kindern sind sie zu einem gut eingespielten Team geworden. Sie organisieren, tragen Verantwortung, funktionieren. Doch das Liebespaar ist dabei leise verschwunden. Man küsst sich seltener, berührt sich beiläufig, spricht über alles ausser über das, was einen wirklich bewegt.

Lust braucht etwas anderes als Organisation. Sie braucht das Gefühl, gesehen und gemeint zu sein. Sie braucht den Mut, sich zu zeigen, auch mit den Wünschen, für die man sich schämt, und mit den Unsicherheiten, die man lieber verbirgt. Denn nackt und verletzlich zeigen wir uns nur dort, wo wir uns sicher fühlen.

Die Voraussetzungen für Lust sind in einer langen Beziehung oft besser, als wir denken. Vertrautheit und eine gemeinsame Geschichte können der Boden für eine Sexualität sein, die tiefer geht als am Anfang. Und häufig wären Partner:innen bereit, einander viel mehr Wünsche zu erfüllen, wenn sie nur davon wüssten.

Was, wenn gerade das, was zwischen euch steht, euch den Weg zueinander zeigt?

Ein Artikel, der diesen Gedanken schön auf den Punkt bringt: Michael Kraske, Lust durch Nähe, Psychologie Heute, 13. Juni 2018.

Theoretische Vertiefung

  • Nähe oder Distanz? Warum oft nicht zu viel Vertrautheit, sondern zu wenig Intimität die Lust bremst

  • Von der Liebe zum Krieg: weshalb aus dem, was wir lieben, manchmal etwas Feindliches wird

  • Spontanes und reaktives Begehren: warum Lust nicht immer zuerst da sein muss

  • Stress als Lustkiller und wie gemeinsames Bewältigen verbindet

  • Eigenständigkeit und Begehren: warum Lust auch zwei eigenständige Menschen braucht

  • Erlernte Sexualität und Bindungsmuster: was wir in die Paarsexualität mitbringen

  • Scham und Wünsche: warum wir so oft nicht sagen, was uns erregt

Praktische Erfahrungen

  • Wahrnehmungs- und Berührungsübungen zu zweit, bekleidet

  • Einander neu begegnen

  • Wünsche und Grenzen in Worte fassen: Ja, Nein, Vielleicht

  • Selbsterkundung: Was erregt mich, und wie kann ich es zeigen?

  • 4 Tools, um das Feuer der Lust zu wecken

  • Die Magie sexueller Fantasien (ohne dass ihr zu viel preisgeben müsst)

  • Austausch als Paar und Reflexion in der Gruppe

Ein sicherer Rahmen

Wir bleiben den ganzen Tag bekleidet. Alle Körperübungen dienen der Wahrnehmung – es geht nicht um Techniken, sondern ums Spüren.

Scham, Unsicherheit und Neugierde sind gleichermassen willkommen.

Ihr entscheidet. Jede und jeder bleibt jederzeit in der eigenen Selbstbestimmung und bestimmt, was sie oder er mitmacht und was nicht.

Was ihr als Paar besprecht, bleibt bei euch. In der Gruppe teilst du nur, was du selbst teilen möchtest, und nichts über dein Gegenüber, was nicht abgesprochen ist.

Wenn ihr unsicher seid, ob der Workshop für euch passt, meldet euch gerne vorher bei mir.

Für wen ist dieser Workshop?

Dieser Workshop ist für Paare, die:

  • schon länger zusammen sind und ihre Lust wieder lebendiger erleben möchten

  • merken, dass Sex seltener oder zur Routine geworden ist

  • sich als gutes Team erleben, aber das Liebespaar vermissen

  • sich mehr Nähe und Intimität wünschen

  • lernen möchten, offener über Wünsche und Grenzen zu sprechen

  • neugierig sind, was zwischen ihnen noch möglich ist

  • noch nicht lange zusammen sind und ihrer Sexualität von Anfang an Aufmerksamkeit schenken möchten

Ihr braucht keine Vorkenntnisse. Alle Geschlechter, Identitäten und Beziehungsformen sind willkommen.

Möchte deine Partnerin oder dein Partner nicht mitkommen? Dann ist vielleicht der Workshop «Wenn aus Fliessen Stocken wird» das Richtige für dich. → Workshop: Wenn aus Fliessen Stocken wird


Wo und wann findet der nächste Workshop statt?
Samstag, 27. Februar 2027
Uhrzeit: 9.30–17.00 Uhr
Durchführungsort: Praxis Du, Schaffhauserstrasse 125, 8057 Zürich

Was müssen wir sonst noch wissen?
Kommt in bequemer Kleidung, ganz so, wie ihr euch wohlfühlt. Bringt gerne eine Wasserflasche und ein Notizbuch mit.
Wir machen eine einstündige Mittagspause. Fürs Mittagessen gibt es verschiedene Möglichkeiten direkt in der Nähe.

Wie gross wird die Gruppe sein?
Der Workshop findet ab 2 Paaren statt und ist auf 4 Paare begrenzt.

Was kostet der Workshop?
Earlybird (buchbar bis 31. Januar 2027): CHF 360 pro Paar
Normaltarif: CHF 440 pro Paar
Zahlbar nach der Anmeldung. Wenn der Preis für euch gerade nicht möglich ist, meldet euch bei mir.