Sexualtherapie & Psychologie – wenn Sexualität zum Spiegel wird

Sexualtherapie & Sexualberatung in Zürich | Praxis Du – Nora Ermatinger

Den ersten Schritt zu einer Sexualtherapie oder Sexualberatung zu wagen, braucht oft Mut. Menschen, die zu mir in die Praxis kommen, werden von Gefühlen wie Scham, Angst oder Unsicherheit begleitet – und das ist vollkommen in Ordnung. Wir sind es uns selten gewohnt, über etwas so Intimes wie Sexualität wirklich offen zu sprechen und dabei gehört zu werden. Das kann neu sein. Fremd. Unangenehm. Umso schöner ist es, dass oft schon eine erste Sitzung etwas in Bewegung bringen kann. Wird etwas Schambehaftetes ausgesprochen, gehört und gewürdigt, wird es leichter. Scham verliert an Gewicht, wenn sie in einem sicheren Raum sichtbar werden darf.

Ich bin keine Expertin, die von oben herab weiss, wie dein Leben oder deine Sexualität auszusehen hat. Ich begegne dir auf Augenhöhe – neugierig, wertschätzend und ohne Urteil. Du bist nicht falsch. Auch wenn du Verhaltensweisen mitbringst, die dir nicht passen und die du verändern möchtest: Du bist grundsätzlich richtig. Das ist die Haltung, aus der heraus ich arbeite.

Der Wunsch nach der schnellen Lösung – und was dahinter liegt

Viele Menschen kommen mit dem Wunsch nach einer Lösung. Der Hoffnung, ein Symptom – Erektionsprobleme, Vaginismus, Lustlosigkeit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – möglichst schnell loszuwerden. Das ist verständlich, mehr als das: Es zeigt, dass das, was ist, nicht mehr passt. Dass bereits eine Ahnung davon da ist, wie es sein könnte. Das ist wertvoll.

Doch in meiner Begleitung geht es mir nicht nur darum, ein Symptom zu beseitigen. Denn Herausforderungen und Muster, die sich in der Sexualität zeigen, erzählen oft mehr über uns als wir ahnen.

Sexualität als Brennglas

Ich sehe Sexualität wie ein Brennglas – sie verdichtet, was sonst verteilt und unsichtbar bleibt. In der Intimität können wir uns nirgendwo so gut verstecken wie im Alltag. Der Schutzraum wird kleiner, und wir lassen – wortwörtlich wie übertragen – die Hosen runter. Das ist herausfordernd. Und gleichzeitig kann es ein Geschenk sein.

Nirgendwo sonst tauchen Glaubenssätze so klar auf wie in der Sexualität. Jene tief verwurzelten Überzeugungen, die bestimmen, wie wir die Welt sehen und wie wir ihr begegnen:

  • „Ich muss meinem Partner / meiner Partnerin gefallen, sonst verlässt ersie mich."

  • „Meine Bedürfnisse sind zu viel / zu wenig / falsch."

  • „Ich bin zu viel / zu wenig / falsch."

  • „Eine Frau, die Sex geniesst, ist …"

  • „Ein Mann ohne Erektion ist …"

  • „Wenn ich Nein sage, verliere ich die Liebe."

Glaubenssätze sind wie innere Drehbücher. Sie formen unser Gefühlsleben, unser Denken, unser Handeln – und sie sind nicht in der Sexualität entstanden. Sie sind dort nur besonders gut sichtbar.

Was Sexualität mit deiner Geschichte zu tun hat

Sexualität beginnt bei unserer Geburt. Wir lernen sie zuerst in der Familie kennen: wie Nähe funktioniert, ob Bedürfnisse willkommen sind, was Körper bedeuten, ob Gefühle Platz haben. All das bringen wir in unser Sexualleben mit – ungefragt und oft unbewusst.

Als Sexualtherapeutin und psychologische Beraterin schaue ich deshalb auf dich als Ganzes. Was hast du über Sexualität gelernt? Was verbindest du mit Nähe und Intimität? Bis wohin erlaubst du dir zu geniessen, und ab wann kommt diese kleine Stimme, die sagt: „So darf man doch nicht sein"?

Muster, die sich in der Sexualität zeigen, kennen wir oft auch aus anderen Lebensbereichen. Jemand, der beim Sex flach atmet, sich anspannt und das Gefühl hat, funktionieren zu müssen – tut das häufig auch bei der Arbeit, in der Familie, in der Beziehung. Die Sexualtherapie wird so zu einem Weg, sich selbst tiefer zu verstehen. Und dieses Verstehen beginnt nicht zwingend im Schlafzimmer.

Teil einer Sexualtherapie und Sexualberatung kann deshalb auch das Eintauchen in deine Geschichte sein: Woher kommen deine Glaubenssätze? Wann hast du sie als Wahrheit gelernt? Bringen wir ans Licht, was tief in uns schlummert, bekommen wir die Chance, es zu betrachten – und neu zu überdenken. Hier arbeite ich oft auch mit Hypnose und mit dem inneren Kind: nicht als esoterisches Konzept, sondern als konkreter Zugang zu dem, was einst gelernt wurde und heute noch nachwirkt.

Und nein, du musst nicht dein gesamtes Leben aufarbeiten

Das möchte ich deutlich sagen: Wir müssen nicht alles aufarbeiten, bevor wir uns verändern können. Überhaupt nicht. Aber wir dürfen in einen tieferen Kontakt zu uns selbst treten. Mit Verständnis kommt oft Mitgefühl – und das ist hilfreicher als Gedanken wie „bei mir funktioniert etwas nicht."

Gleichzeitig können wir ganz handfeste, praktische Werkzeuge erlernen. Wir können bestimmte Muskeln bewusst anspannen oder entspannen. Wir können den Atem oder Bewegung nutzen, um Lust zu steigern oder das Nervensystem zu beruhigen. Unser Nervensystem entscheidet darüber, ob wir uns sicher und offen fühlen – oder angespannt und im Überlebensmodus. Flaches Atmen ist Sympathikus-Aktivierung, ist „ich muss funktionieren." Ein tiefer Atem kann das verändern.

Mehr zu meiner Sexualtherapie und Sexualberatung findest du hier.

Dein Körper ist dein engster Verbündeter

Auf jedem Weg, bei jedem Prozess haben wir unseren Körper dabei. Unseren Atem, unsere Muskeln, unsere Gefühle. „Was ist jetzt gerade da?" ist wohl der am häufigsten gestellte Satz in meiner Praxis. Was nimmst du wahr, während du diesen Text liest? Was klingt an?

In der Begleitung möchte ich dich dazu einladen, mit dir in Verbindung zu kommen – über Körperwahrnehmung, Atemarbeit und Achtsamkeit. Verfeinern wir unser Körperbewusstsein, können wir Bedürfnisse wahrnehmen. Können wir Bedürfnisse wahrnehmen, können wir uns dafür einsetzen. Und dein Körper spricht bereits mit dir – in der Sexualität vielleicht klarer als irgendwo sonst. Er spürt, geniesst, lehnt ab, schnurrt, schreit, bewegt sich oder erstarrt. Er sagt manchmal mehr, als wir überhaupt hören möchten.

Sexualität ist Lebensenergie

Zum Schluss noch etwas, das mir am Herzen liegt: Sexualität ist da – egal ob gelebt oder nicht. Ich verstehe sie als Lebensenergie, die immer fliesst. Wie wir sie ausdrücken, ist dabei offen: in gelebter Körperlichkeit, in Kreativität, in Selbstausdruck, in der Arbeit, im Sport. Hauptsache, sie kann fliessen.

Sexualität bist du. Du bist Sexualität. Und du bist dabei grundsätzlich richtig.

Wenn du neugierig geworden bist oder dich etwas in diesem Text angesprochen hat – ich freue mich, von dir zu hören. In meiner Praxis in Zürich, Kreis 6, sind Termine verfügbar.

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Gefühle zulassen statt verdrängen

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