Kennst du das Gefühl, dass die Lust einfach weg ist? Nicht dramatisch, nicht plötzlich, eher leise und schleichend. Ihr hättet Zeit, ihr mögt euch, und trotzdem zieht nichts. Lustlosigkeit gehört zu den häufigsten Themen in meiner Sexualberatung in Zürich. Eine Form der Lustlosigkeit können auch Errektionsprobleme sein. Egal wie sie sich äussert - sie führt oft dazu, dass wir denken, etwas sei falsch. Wir selbst, unsere Sexualität, unsere Beziehung. Fast immer steckt dahinter etwas anderes als fehlende Lust.
Oft ist es Scham. Oder Angst. Oder eine Unsicherheit, die wir so gut verstecken, dass wir sie selbst kaum noch bemerken.
In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wie aus diesem Verstecken Lustlosigkeit werden kann – und warum gerade das, was wir verbergen, uns wieder zueinander führen kann. Am Schluss stelle ich dir zwei neue Workshops vor, die genau da ansetzen.
Warum können wir uns in der Sexualität so schlecht verstecken?
Wir alle kennen Angst, Scham und Unsicherheit. Im Alltag haben wir gelernt, gut mit ihnen umzugehen: Wir lächeln, wir funktionieren, wir wechseln das Thema. Wir zeigen, was gut ankommt, und lassen den Rest im Schatten.
In der Sexualität klappt das nicht so gut. Hier sind wir nackt, im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Und der Körper hält sich nicht an unsere Pläne.
Nehmen wir einen Menschen mit Penis, der beim Sex keine Erektion bekommt. Vielleicht passiert es einmal, vielleicht öfter. Der Körper zeigt etwas, das der Kopf nicht kontrollieren kann. Plötzlich ist sichtbar, was vorher gut verborgen war: Etwas passt gerade nicht. Der Stress, der dann einsetzt, kann enorm sein. Die Gedanken rasen: Was denkt mein Gegenüber jetzt? Was stimmt nicht mit mir? Was, wenn das wieder passiert?
Was dann folgt: unsere Schutzstrategien
In solchen Momenten springen fast automatisch unsere Schutzstrategien an. Sie haben uns irgendwann einmal gute Dienste geleistet, und sie meinen es gut mit uns. Vielleicht erkennst du dich in der einen oder anderen wieder:
Wir ziehen uns zurück, drehen uns weg, machen innerlich zu.
Wir werden wütend, gereizt oder retten uns in einen Witz.
Wir sprechen es nicht an und hoffen, dass es niemand bemerkt hat.
Wir vermeiden die nächste Situation – und probieren es irgendwann gar nicht mehr.
Erektionsstörungen können auch körperliche Ursachen haben. Eine ärztliche Abklärung ist deshalb immer sinnvoll.
Wie wird aus Scham Lustlosigkeit?
So unterschiedlich diese Strategien sind, eines haben sie gemeinsam: Sie trennen. Wir nehmen den unsicheren Teil von uns aus der Begegnung heraus. Wir sind noch da, aber nicht mehr ganz.
Und genau hier liegt das Paradox. Denn das, wonach wir uns in der Sexualität mit anderen oft am meisten sehnen, ist Verbindung. Nähe. Gesehen werden. Mit unseren Schutzstrategien bekommen wir also genau das Gegenteil von dem, was wir uns wünschen.
Wiederholt sich das, kann sich eine leise, vielleicht unbewusste Erfahrung einprägen: Sexualität führt zu Trennung. Und wer möchte schon Lust auf etwas haben, das sich nach Trennung anfühlt?
Lustlosigkeit ist in diesem Sinn kein Defekt. Manchmal ist sie eine ziemlich kluge Antwort des Körpers auf eine Erfahrung, die sich nicht gut angefühlt hat. Und vor allem ist sie aus meiner Sicht eine Chance. Eine Möglichkeit uns auf den Weg zu machen und das zu finden, was wir wirklich wollen.
Was, wenn ich gar nicht weiss, was ich will?
Es gibt noch eine andere, sehr verbreitete Form des Versteckens. Sie ist leiser und deshalb oft schwerer zu erkennen.
Vielleicht kennst du das: Du weisst gar nicht so genau, was dir gefällt. Oder du hättest eine Ahnung, traust dich aber nicht, es auszuprobieren. Denn was, wenn du dir etwas wünschst – und es dann doch nicht magst? Kannst du dann noch Nein sagen? Wäre das nicht peinlich, enttäuschend, kompliziert? Da probierst du lieber erst gar nicht.
So entsteht ein stiller Konflikt. Wir wünschen uns, ganz im Körper zu sein, uns fallen zu lassen, zu geniessen. Gleichzeitig glauben wir, im Kopf schon wissen zu müssen, was wir wollen. Doch der Kopf kann nicht wissen, was der Körper in fünf Minuten möchte. Das lässt sich nur erspüren, und es verändert sich, immer wieder.
Solange wir glauben, vorher wissen zu müssen, was wir wollen, sind wir während der Begegnung mit Denken beschäftigt. Und wo das Denken laut wird, wird die Lust oft leise.
Viele Menschen kommen mit dem Wunsch zu mir, endlich herauszufinden, was sie wollen. Mir geht es um etwas anderes: um einen Raum, in dem dieses Herausfinden überhaupt möglich wird. Wenn ich weiss, dass ich jederzeit umlenken, eine Grenze setzen oder einen neuen Wunsch einbringen darf, muss ich nichts mehr im Voraus festlegen. Dann darf das Erkunden fliessen, und die Freude daran kommt oft ganz von allein. Ich würde ja auch nicht in ein Auto einsteigen, das nur geradeaus fährt und das sich nicht umlenken lässt.
Wie finden wir zurück in die Verbindung?
Wenn das Verstecken trennt, liegt der Weg zurück vielleicht genau im Gegenteil: in dem, was wir zeigen.
Das klingt einfach und ist doch oft das Schwierigste. Denn wir verstecken diese Teile ja nicht ohne Grund. Und trotzdem erlebe ich immer wieder, was passiert, wenn jemand den Mut findet, auszusprechen, was vorher unsagbar schien:
«Ich habe gerade Angst, dass es wieder nicht klappt.»
«Ich weiss nicht, ob mir das gefällt. Ich würde es gerne ausprobieren, und ich sage dir, wenn es kippt.»
«Ich schäme mich ein bisschen, das zu sagen, aber …»
In solchen Sätzen liegt eine erstaunliche Kraft. Die Unsicherheit verschwindet nicht. Aber sie steht nicht mehr zwischen uns, sondern wird zu etwas, das wir teilen. Geteilte Unsicherheit trennt selten. Meist verbindet sie.
Ein wichtiger Zusatz: Das gilt dort, wo die Beziehung es tragen kann. Nicht jede Begegnung ist sicher genug, um sich so zu zeigen, und manchmal ist die Scham genau deshalb da: um uns zu schützen. Es geht also nicht darum, die Scham loszuwerden, sondern sie verstehen zu lernen. Schützt sie mich gerade, oder hält sie mich zurück?
„Unsere ureigene Sexualität ist kein Fehler. In ihrem Kern will sie Freude, nicht Leiden. Uns mit ihr zu verbinden ist ein Weg nach innen – durch Angst und Freude, vorbei an alten Geschichten, durch Räume, die wir lange verschlossen hielten. Bis hin zu unserer wahren Essenz.“
Zwei Workshops, um freizulegen, was über der Lust liegt
Aus genau diesen Gedanken sind zwei neue Tagesworkshops entstanden, die im Januar und Februar 2027 in meiner Praxis in Zürich Kreis 6 stattfinden. Beide schauen auf das, was jetzt da ist und was uns aus der Vergangenheit begleitet. Sie räumen frei, was sich über die Lust gelegt hat.
Wenn aus Fliessen Stocken wird – Scham, Schuld und Angst in der Sexualität
Samstag, 23. Januar 2027
Ein Tag für alle Menschen, allein oder in einer Beziehung. Wir erkunden, woher Scham kommt, wo sie schützt und wo sie trennt, und was im Nervensystem passiert, wenn Angst ins Spiel kommt. Mit Körperübungen, Selbsterkundung und der Erfahrung, wie geteilte Scham verbinden kann.
Lust über Jahre – Paarworkshop zu Sexualität und Begehren
Samstag, 6. März 2027
Ein Tag für Paare und andere Beziehungskonstellationen. Wir hinterfragen Mythen über Lust in Langzeitbeziehungen und schauen, warum oft nicht zu viel Nähe die Lust bremst, sondern zu wenig echte Intimität. Mit Übungen zu zweit und Raum, Wünsche und Grenzen neu in Worte zu fassen.
Beide Workshops finden in einer kleinen Gruppe statt. Wir bleiben den ganzen Tag bekleidet, und du entscheidest selbst, was du mitmachst und was du teilst.
Und danach: die Lust neu entdecken
Wenn wir uns mit unserer Scham angefreundet haben und sie als Hilfe statt als Blockade erleben, können wir uns umso freier der Lust widmen, die darunter wartet. Genau darum geht es im Workshop Selbstlust am Samstag, 3. April 2027: um Erregung, Körper und Begehren, neugierig und ohne Leistungsdruck zu erkunden.
Lieber im Einzel- oder Paarsetting?
Nicht jede Frage gehört in eine Gruppe. Manchmal braucht es zuerst einen geschützten Raum, allein oder als Paar. In meiner Praxis begleite ich Einzelpersonen und Paare als psychologische Beraterin und Sexualtherapeutin – ganzheitlich, körperzentriert und immer bekleidet.
Viele Menschen suchen nach Sexualtherapie in Zürich, unter anderem wenn sie mit Lustlosigkeit, Erektionsstörungen oder unterschiedlichem Begehren in der Partnerschaft kämpfen. Bei mir in der Sexualberatung biete ich einen Raum, in dem wir in Ruhe anschauen, was zwischen dir und deiner Lust steht. In der Paarberatung geht es darüber hinaus immer auch um das, was zwischen euch unausgesprochen geblieben ist.
Die Beratung ist selbstzahlend. Ich biete, wenn gewünscht, ein kostenloses 10-minütiges Telefonat, in dem wir gemeinsam schauen, was für dich / euch passen könnte.
Häufige Fragen
Ist Lustlosigkeit in einer langen Beziehung normal? Lust verändert sich im Laufe einer Beziehung, und Phasen mit weniger oder unterschiedlicher Lust kennen fast alle Paare. Wenn die Lustlosigkeit aber bleibt und dich oder euch belastet, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Oft liegen unausgesprochene Wünsche, Ängste oder Scham darunter.
Können Scham und Angst Erektionsstörungen beeinflussen? Ja, Stress, Angst und Scham können sich direkt auf die Erregung auswirken. Gleichzeitig können Erektionsstörungen auch körperliche Ursachen haben. Lass deshalb bei anhaltenden Erektionsproblemen auch ärztlich abklären, ob körperlich alles in Ordnung ist.
Muss ich im Workshop etwas Persönliches erzählen? Nein. Du entscheidest jederzeit selbst, was du teilst und was du mitmachst. Alle Übungen dienen der Wahrnehmung, und wir bleiben den ganzen Tag bekleidet.
Was passiert in einer Sexualberatung? In einer Sexualberatung sprechen wir in einem geschützten Rahmen über das, was dich beschäftigt. Je nach Anliegen arbeiten wir mit Gespräch, Körperwahrnehmung, Hypnose oder Achtsamkeit. Es gibt keinen Körperkontakt, und du bleibst bekleidet.